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Theater-Rundgang mit Martin Woelffer


Hier ist das Foyer der Komödie. Hier sind Bilder aus den 20er Jahren, die hier stattgefunden haben. Hier Marlene Dietrich, die ist hier aufgetreten. Heinz Rühmann, selbstverständlich. Und im Prinzip hat sich da nicht viel verändert außer, dass die Malerei nicht mehr vorhanden ist. Und natürlich stimmt mich das sehr traurig, dass wir hier jetzt bald Abschied nehmen müssen. Auch hier sind natürlich viele Details, die wir gerne mitnehmen würden oder zumindest wieder so gestalten würden. Das ist ein sehr schöner Raum, ein sehr intimer Raum, obwohl er 600 Plätze hat. Von der Akustik einfach nicht zu toppen. Das sagen nicht nur Schauspieler, sondern auch Musiker, die hier spielen. Ein wirkliches Glanzstück, was Architektur angeht und Theaterwissen. Das ist meines Wissens das letzte Theater, was Max Reinhardt persönlich in Auftrag gegeben hat, das noch existiert. Nur noch die Salzburger Festspiele hat er wohl bauen lassen, aber sonst ist das das einzige. Was das besondere hier ist, ist ein doppelstöckiges Logen-Theater, ein rangloses Logen-Theater. Das heißt, man hat auf den Rang, der über das Parkett sich wölbt, verzichtet, um eben eine Rundung hier zu schaffen, eine Intimität zu schaffen. Und vor allem damals war ja schon wichtig, dass die Logen… Also die Sponsoren von Max Reinhardt haben sozusagen diese Logen besessen, das heißt, ein Logeninhaber konnte jederzeit kommen, musste dafür natürlich auch Max Reinhardt finanziell unterstützen. Dafür waren diese Logen wichtig. Wenn man diese Logen hier anguckt, die waren natürlich mehr dafür da, gesehen zu werden, als wirklich etwas zu sehen. Also sie sind von der Sicht auf die Bühne her sehr schlecht, aber man wurde dafür glänzend gesehen. In der Eröffnung hat da der Außenminister gesessen in der Weimarer Republik und der Innenminister. Wenn wir hier durch diese Räume gehen, hier ist diese Fotoausstellung, von der ja schon einige Welt gehört hat. Hier soll die Geschichte der Komödie sitzen. Zusammen mit dem Berliner Stadtmuseum zusammengestellt. Hier sieht man die 60er, 70er, 80er Jahre, Harald Juhnke, Günter Pfitzmann, Grit Böttcher, Horst Buchholz. Hier sehen wir ein sehr schönes Detail aus der Komödie, diesen wirklich schönen 20er Jahre Stil, Oskar Kaufmann ist der Architekt. Natürlich genau so noch erhalten wie’s mal war. Das versuchen wir zum Beispiel unbedingt mitzunehmen, diese Garderobenecke hier. Und da sehr schön sind natürlich auch diese Jugendstil-Treppengeländer. Auch die versuchen wir natürlich mitzunehmen. Am ganzen Treppenhaus sieht man, dass jemand sich wirklich Gedanken gemacht hat und das wirklich sehr schön gestylt hat. Also es geht mir sehr gemischt. Auf der einen Seite sind wir natürlich sehr traurig, dass es dazu kommen musste, dass hier abgerissen wird, dass wir diese Häuser verlassen müssen Gleichzeitig bin ich sehr froh darüber, dass wir es geschafft haben, alle Unterstützer gemeinsam mit der Politik und dem Investor, hier einen Kompromiss zu finden. Das heißt, für uns gibt’s ein Weiterleben. Nicht nur nach dem Auszug ins Schiller-Theater, sondern auch hier vor Ort. Das heißt, wir werden hier ein neues Theater bauen. Wir werden finanziell abgesichert sein und das ist natürlich ein riesen Erfolg und deswegen freue ich mich dann.

One Comment

  1. alpha_ lemon Author

    Der angloamerikanische Raubtierkapitalismus, der ab den 90ern auch in unserem Land Einzug hielt, kennt keine Kultur. Diese Heuschrecken kennen nur Rendite, egal ob ein Stück Berliner Geschichte und Tradition dran glauben muß. Das Theater und die Komödie am Kurfürstendamm werden nun abgerissen, eigentlich ein unglaublicher Vorgang. Ergebnisse sind dann seelenlose, sterile und architektonisch abgrundtief hässliche Shopping-Center (früher benannt als Kaufhäuser, bestenfalls Einkaufs-Zentren, ich werde das übrigens (wieder) so handhaben).

    Das Verwerfliche ist natürlich, dass der Berliner SPD/CDU-Senat (führend dabei die damalige SPD-Finanzsenatorin Annette Fugmann-Heesing) der eigentlich für das Wohl der Stadt, auch in kultureller Hinsicht handeln sollte, sich ohne wirklich große Not an diesen Heuschreckengeschäften beteiligte und ein von Max Reinhard in den 20er Jahren begründetes Stück Berliner Tradition an den schnöden Mammon verscherbelte.

    Und selbst hier kann man in der Berichterstattung zwischen den Zeilen eine gewisse Hetze gegen das heutige Russland erkennen. Dem Leser wird immer wieder Russland suggeriert. Richtig ist, dass dieser Ausverkauf zu Zeiten des feuchtfröhlichen Jelzin seinen Anfang nahm, der damals auch fast sein eigenes Land völlig an ähnliche Leute verhöckerte. Die Wahrheit ist weiterhin, dass diese Oligarchen im Russland unter Putin richtigerweise in ihre Schranken verwiesen wurden.

    Übrigens, wenn man genauso verwerflich handeln würde wie diese Journalisten, könnte man, nachdem man die Namen der Oligarchen und „Investoren“ im Hintergrund gelesen hat, gedanklich ggf. auf eine gewisse Volksgruppe kommen, oder fallen solche Gedankengänge und Feststellungen schon in die Schublade Antisemitismus?

    PS: Mit von der Partie die ehemalige Volkspartei SPD, Zitat „Berliner Zeitung“: „Am 20. Februar 1998 verkauft die damalige Finanzsenatorin Annette Fugmann-Heesing (SPD) den Schutz der Theater für 2 Millionen D-Mark. Wir es dazu kam, ist aus den Akten nicht ersichtlich. Heesing verantwortet mit dem Verkauf von Bewag, Gasag und der Privatisierung der inzwischen zurückgekauften Berliner Wasserbetriebe weitere skandalträchtige Vorhaben.“

    Nur mal so am Rande: Diese Dame von der SPD wirkte nach 1994 in Berlin für „das Wohl der Stadt“, nachdem sie als hessische Finanzministerin wegen Unregelmäßigkeiten bei der hessischen Lottogesellschaft zurücktrat. Der damalige Skandal der Bankgesellschaft Berlin sowie der Landesbank Berlin (LBB) fand übrigens auch unter der Aufsicht dieser fähigen Frau von den Spezialdemokraten statt.

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